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17.06.2019 - 01:54

 
 

Umstrittenes Unkrautmittel

(RB 2017) Glyphosat wird in der EU für fünf weitere Jahre zugelassen, weil Deutschland überraschend zugestimmt hat. Ohne das deutsche Ja hätte es keine Mehrheit gegeben. Die EU-Kommission muss die Entscheidung der Mitgliedsstaaten nun umsetzen. Die Abstimmung in Brüssel kann nicht wiederholt werden.
Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Unkrautvernichtungsmittel. Es ist ein Total-Herbizid (z. B. Hauptbestandteil von „Roundup“) und zerstört alle Pflanzen, egal ob Kultur- oder Wildpflanze. Nur spezielle genmanipulierte Pflanzen überleben die Giftdusche. Damit werden die Nahrungsquellen für Insekten vernichtet, die wiederum Nahrungsquelle für viele Vogelarten sind.
Es bestehen zudem große Zweifel an der Bewertung seiner Giftigkeit. Bereits im März 2015 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Stoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ein, die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) im November 2015 jedoch als „wahrscheinlich nicht krebserregend“.
Spuren von Glyphosat wurden 2015 in mehreren deutschen Biersorten nachgewiesen. Bei der Studie „Urinale 2015“ (www.urinale.org) wurden in 99,6 Prozent der Urinproben von rund 2.000 Deutschen hohe Glyphosat-Werte nachgewiesen, obwohl sich über die Hälfte der Teilnehmenden von Lebensmitteln aus ökologischem Landbau ernährte. Die Proben von Kindern und Jugendlichen ergaben die höchsten Messwerte.
Wie Glyphosat überhaupt in den menschlichen Körper gelangt und was eine dauerhafte Belastung dort bewirkt, ist bislang nicht erforscht. Daher muss eigentlich das im EU-Lebensmittelrecht geltende Vorsorgeprinzip berücksichtigt werden – das heißt: Solange seriöse Hinweise auf gesundheitliche Risiken im Raum stehen, darf Glyphosat nicht weiter auf dem Acker eingesetzt werden.
Basierend auf Glyphosat gibt es zudem umfangreiche landwirtschaftliche Produktionsketten, bei denen Nutzpflanzen dafür gezüchtet sind, dagegen resistent zu sein. Damit vereinfacht sich die Produktion und der Ertrag wird erhöht. So sind erhebliche Teile der Landwirtschaft weltweit von dieser Produktionskette abhängig. Ein Verbot würde also die Erträge reduzieren. Ein weiterer Einsatz verstärkt aber die Folgen wie Reduzierung der Artenvielfalt und Bodenqualität. Zudem entwickeln Unkräuter mit der Zeit eine Resistenz gegen Glyphosat, was dazu führt, dass ständig größere Mengen eingesetzt werden. Daher müsste EU-weit ein tragfähiges Konzept ausgearbeitet und durchgesetzt werden, das langfristig ohne aggressive Gifte und die dazu entwickelten Spezialzüchtungen auskommt.
Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hat aktuell das in Hamburg bestehende Glyphosat Moratorium verlängert, um den öffentlichen Bedenken Rechnung zu tragen. Das bedeutet: In Hamburg werden weiterhin keine Genehmigungen für den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln auf Nichtkulturlandfläche, die im direkten Kontakt mit der Allgemeinheit stehen, ausgestellt. Dazu zählen neben Verkehrsflächen, Parkplätzen, Bürgersteigen und Plätzen auch Spiel- und Sportplätze sowie Friedhofswege. Das Hamburger Moratorium gilt befristet bis zum Ende der Wirkstoffgenehmigung. Kulturlandflächen sind von diesem Moratorium nicht betroffen.

Glyphosat befristet zugelassen

(RB 03.2016) Die Europäische Kommission hat nun das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat zeitlich befristet zugelassen. Ziel der Befristung ist die Ergebnisse der Europäischen Chemikalienagentur abzuwarten. Diese Behörde soll klären, ob der Wirkstoff krebserregend ist oder nicht. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, will die Stadt Hamburg aus Vorsorgegründen keine Genehmigungen für den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln auf Nichtkulturlandfläche, die im direkten Kontakt mit der Allgemeinheit stehen, ausstellen. Das Moratorium gilt bis zum Abschluss der Verfahren, nach derzeitigem Stand bis Ende 2017. Der Einsatz des laut Weltgesundheitsorganisation WHO wahrscheinlich krebserregenden Pestizids an öffentlichen Orten wie Straßen, Wegen, Sport- und Spielplätzen oder Friedhöfen in Hamburg ist damit vorerst weiterhin verboten.

Auch der Bundesverband des BUND ist über die Entscheidung der EU-Kommission empört: Die Kommission habe es vier Mal nicht geschafft, den mehrheitlichen Widerstand der Mitgliedstaaten gegen das Pestizid zu brechen. Jetzt drückt sie dessen Weiterverwendung ohne deren Zustimmung durch. Wenn EU-Politik so aussehe, dürfe man sich über den Brexit nicht wundern. Immer mehr Menschen in Europa und in Deutschland forderten eine Landwirtschaft ohne Pestizide. Es müsse endlich darum gehen, eine EU der Bürger statt eine der Konzerne zu schaffen.

(Ausführlicher Bericht zum Thema Glyphosat in unserer RUNDBLICK Ausgabe vom 18./19. März 2016)