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09.12.2022 - 02:49

 
 

30 Jahre EU-Naturschutzgesetz

30 Jahre EU-Naturschutzgesetz

(RB 09-22) Ahrensburg-Stellmoor-Meiendorfer Tunneltal: Baustein im Biotopverbund

Seit 30 Jahren ist das EU-weite Naturschutzgesetz, das den Erhalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer natürlichen Lebensräume garantieren soll, in Kraft. Leider liegen Gesetz und Wirklichkeit weit auseinander. Die Biotope stehen auch heute noch mit diesem besonderen Schutzstatus unter Druck. Ein Beispiel ist das ökologisch wertvolle Ahrensburg-Stellmoor-Meiendorfer Tunneltal. Die Deutschen Bahn plant eine hoch befahrene Gütertrasse durch dieses Gebiet. Das bereitet den Umweltschützern Sorgen für die Zukunft des Naturschutzgebietes. Wild lebende Arten und diese Landschaftsformen brauchen Gebiete, in denen sie vor menschlichen Nutzungen geschützt sind. Daher gibt es NATURA 2000; ein riesiges Netzwerk von Schutzgebieten, das sich über ganz Europa erstreckt. Das in Ahrensburg und Hamburg-Meiendorf liegende Tunneltal als Flora-Fauna-Habitat )gehört zu diesem Verbund und genießt damit den höchsten Schutzstatus auf europäischer Ebene. Erst durch den Erhalt aller einzelnen lokalen Biotope erfährt der Natur- und Artenschutz seine herausragende Bedeutung. Deshalb kommt dem durch die Eiszeit geprägten Tunneltal eine tragende Rolle zu. Die beiden zusammengehörenden Naturschutzgebiete „Stellmoorer Tunneltal’ und das ‚Ahrensburger Tunneltal’ bilden einen wichtigen Trittstein an den ausfransenden Siedlungsrändern von Ahrensburg und den Hamburger Stadtteilen Rahlstedt und Meiendorf. Es stellt die Verbindung zu anderen wichtigen Biotopen her und besitzt daher eine großräumige Bedeutung. Dieser wichtige Biotopverbund zieht sich von der Hahnheide bei Trittau, über die Ahrensburger Feldmark, das Naturschutzgebiet Höltigbaum, den Volksdorfer Wald, die Teichwiesen und Hainesch-Iland hin zur Hummelsbütteler Feldmark und dem Diekmoor in Langenhorn. Wilde hier lebende Tiere können sich frei bewegen und großräumig wechseln. Naturschützer befürchten derzeit jedoch eine Zerstörung des ökologischen Kleinods Tunneltal und damit auch einen Riss im Biotopverbund. Die bereits heute durch den Flora-Fauna-Lebensraum hindurchführende Bahnstrecke soll von zwei auf vier Gleise ausgebaut und dann zusätzlich für den transeuropäischen Güterverkehr Richtung Fehmarnbelt freigegeben werden. Flächen wie das Tunneltal besitzen heute Seltenheitswert. Besonders in Zeiten des Artenschwunds und der Klimaerwärmung kommt solch einer geologischen Formation besondere Bedeutung zu. Die geplante Zerstückelung der Landschaft wird dieses Biotop in seiner Wirkung als Korridor im Biotop-Verbundsystem vermutlich deutlich schwächen. Die baulichen Eingriffe, wie die Deutsche Bahn sie derzeit dort plant, könnten auch dem Gesetz entgegenstehen. Im § 33 des Bundesnaturschutzgesetzes heißt es: „Alle Veränderungen und Störungen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines NATURA 2000-Gebiets in seinen für die Erhaltungsziele oder den Schutzzweck maßgeblichen Bestandteilen führen können, sind unzulässig.“ Damit dem Güterverkehr auf der Schiene, der ja als klimafreundlichere Variante zum Lkw gilt, die nötigen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, schlagen die Naturschützer eine alternative Bahnstrecke entlang der Autobahn A 1 vor. Bei Nutzung einer solchen Möglichkeit, die auch für Streckenabschnitte in Ostholstein und südlich von Hamburg im Gespräch ist, könnte die übergeordnete Bedeutung des Ökosystems Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal im Biotopverbund langfristig ebenso erhalten bleiben wie sein wertvoller Artenreichtum. Schließlich ist die Eindämmung des Artensterbens – so betonen es Wissenschaftler in diesen Tagen immer wieder – eine der zentralen Aufgaben des 21. Jahrhunderts. Es gehe dabei letzten Endes um nicht weniger als das Überleben der Menschheit.

Foto: Andresen-Schneehage

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