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14.12.2017 - 21:51

 
 

„Mr. Tagesflug“ Hans Murphy

„Mr. Tagesflug“ Hans Murphy

(RB) Ein bekannter Hamburger, der am 26. Juni 2017 seinen 95. Geburtstag feiert, ist seit fast fünf Jahren Bewohner der Parkresidenz Rahlstedt und kann auf ein interessantes Leben zurückblicken. Hans John Paul Murphy ist eine Größe der Reisebranche und gilt als Wegbereiter des deutschen Tourismus der Nachkriegszeit und Erfinder der Tagesflüge per Flugzeug.

Sein Ururgroßvater John Murphy floh 1798 aus der irischen Heimat und ließ sich aufgrund Heirat in Hamburg nieder – daher der irische Nachname. Seit dieser Zeit ist es eine Familientradition, dass jeder männliche Nachkomme dessen Vornamen John trägt.

1922 in Hamburg geboren, verbrachte Hans John Murphy, der sein Elternhaus selbst als sehr liebevoll und fürsorglich bezeichnet, seine Kindheit in Eilbek und begann 1938 eine Lehre bei der Hamburg-Amerika Linie im Verkehrspavillon am Jungfernstieg. In Hamburg gab es damals nur sieben Reisebüros. Nach fünf Jahren Kriegsdienst als Soldat mit Einsätzen in Russland, Afrika und Italien im Zweiten Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft in Italien fing er 1945 wieder bei der Hapag-Lloyd an und organisierte 1946 bereits Reisen nach Sylt, Mittenwald und später nach Italien und Griechenland als Reiseleiter. 1948 fuhr er zu Weihnachten mit dem ersten „Touropa-Express“-Sonderzug nach Ruhpolding, war 1953 Schiffsreiseleiter an Bord der „MS Italia“ auf der ersten Kreuzfahrt der Hapag-Lloyd nach dem Krieg, 1955 und 1956 auf sechs Mittelmeer- und Orientkreuzfahrten auf der „MS Saga“ und 1958 und 1959 mit der „MS Ariadne“ auf 20 Fahrten nach Westafrika, ins Mittelmeer, aber auch nach Island und Spitzbergen. 1957 begleitete er den ersten Indien-Ceylon-Flug des Reisebüros, an dem u. a. Romy Schneider teilnahm. Ein Moment, an den er sich gerne erinnert: Nach tiefer Dunkelheit – gemeinsam mit der bekannten Schauspielerin – den Sonnenaufgang über dem Himalaya in dieser großen Höhe erleben, während ein weiterer prominenter Teilnehmer 3.000 Jahre alte Gedichte vorlas – das sei wahrlich ergreifend gewesen. Überhaupt hat er auf seinen Reisen viele interessante Menschen kennen gelernt: 1973 war er mit TV-Professor Heinz Haber auf einer Spezial-Kreuzfahrt zu den Kapverdischen Inseln unterwegs, wo die Teilnehmer die zweitlängste totale Sonnenfinsternis beobachten konnten. Und 1989 erhielt er vom italienischen Staatspräsidenten Titel und Orden eines „Cavaliere“ von Italien.

1969 bis 1987 war Hans Murphy Leiter des Verkehrspavillons Jungfernstieg und initiierte als „Mr. Tagesflug“ eine völlige neue Tourismus-Sparte: den Ein-Tages-Flug. Unter dem Motto „viel erleben an einem Tag“ ohne Gepäckschleppen und Sorge um eine Unterkunft organisierte er Tagesreisen nach Capri, Venedig oder Florenz, nach Irland oder Island oder zum Skilaufen auf die Zugspitze. Ein Highlight war ein Silvesterflug in die Polarnacht. Die Flugdauer betrug maximal zweieinhalb Stunden. Das sprach auch viele ältere Menschen an, die etwa aus gesundheitlichen Gründen Angst vor längeren Flugreisen hatten und dennoch etwas von der Welt sehen wollten. Später kamen 3-Tages-Flüge nach Kairo, Istanbul oder Rom sowie sensationelle Nachtflüge in die Mitternachtssonne mit Eismeerkrabben-Essen in Tromsö hinzu, aber auch USA-Kurzflugreisen nach Kalifornien oder Hawaii. Stets kümmerte er sich um alle Details selbst, stellte den Teilnehmern den Flugkapitän und die Crew sowie die Mitreisenden kurz vor, so dass alles sehr familiär wirkte. Hans Murphy war darüber hinaus Begleiter zahlreicher Info-Flugreisen in Ländern aller fünf Erdteile. Ein ganz besonderes Erlebnis auf seinen Reisen war für ihn aber der Sonnenuntergang in Oberägypten, als die Sonne sich im oberen Niltal wie ein roter Feuerball färbte. Ein Eindruck, den er nie wieder so erlebt habe.

1961 heiratete er Karin von Lüder, mit der er noch heute – nach 56 Jahren Ehe – zusammen in der Parkresidenz wohnt. 1961 und 1965 kamen die beiden Söhne Ralf und Arndt zur Welt. 1994 ging er in den „aktiven“ Ruhestand und arbeitete 9 Jahre weiter als Berater für Hapag-Lloyd Flug in Hannover. Inzwischen gibt es auch drei Enkel. Trotz der vielen Reisen ist das Familienleben nie zu kurz gekommen. Gemeinsam mit den Kindern wurden ebenfalls viele Reisen unternommen. Hans Murphy hat immer Sport gemacht, Fitness war sehr wichtig: Er ist in den Bergen gewandert, geschwommen, hat Fußball gespielt und Gymnastik gemacht. Dennoch: Ohne das Verständnis seiner Frau Karin hätte das sicher nicht alles so gut geschafft, denn sein Beruf wurde für ihn immer mehr zum Hobby. Dafür ist er ihr noch heute sehr dankbar.

Die beiden fühlen sich sehr wohl in der Parkresidenz Rahlstedt. Noch immer sitzt er jeden Tag am Schreibtisch und schreibt mit der Maschine. Auch der Computer wird benutzt – zum Beispiel für Online-Einkäufe. Auch das Gedächtnis hat nicht nachgelassen: Seine Frau sagt, er habe stets und bis heute ein Gedächtnis wie ein Elefant, könne sich alle Daten seines Lebens noch genau erinnern. (Juni 2017 / Foto: Ewert)

Karl-Heinz Böttger

Karl-Heinz Böttger

(RB) Bekannt sein dürfte der Gesellschafter der Karl Böttger GmbH an der Rahlstedter Straße 32a vielen Bürgern durch sein Engagement im Bürgerverein Rahlstedt, Rahlstedter Kulturverein sowie im Rahlstedter Bündnis. So setzt er sich aktuell für den Neubau der Fußgängerbrücke über die Wandse am Kundenzentrum des Bezirksamtes ein. Dass die Familie Böttger bereits seit 1704 hier ansässig ist und einst umfangreiche Ländereien (etwa die heutige Siedlung Pogwischrund) besaß, wissen dagegen die wenigsten. Nachdem die Familie über Generationen Landwirtschaft betrieben hatte, war Großvater Karl Böttger nach dem 1. Weltkrieg 1918 gezwungen, ein weiteres Standbein zu suchen. Er gründete ein Fuhrunternehmen, dessen Pferdewagen Transporte für die ersten Gasleitungen und Holzmasten für das Elektrowerk in der heutigen Schweriner Straße sowie Sand für den Wegebau übernahmen. 1927 wurde ein Rollfuhrvertrag für Stückgüter mit der Reichsbahn geschlossen. Nun wurden nachmittags Weinkisten, Hühnerküken und Schweine vom Rahlstedter Bahnhof ausgeliefert, vormittags wurde weiterhin Landwirtschaft betrieben, bei der auch Karl-Heinz Böttger schon als Kind mithelfen musste. In den 30er Jahren wurden zusätzlich bereits Sand, Steine und Schlacke mit einem 8-Tonner LKW transportiert.

Karl-Heinz Böttger hatte zunächst Autoschlosser gelernt, fing Mitte der 60er Jahre dann aber doch als Schaufelladerfahrer bei der Firma an. Mit dem Besuch der Handelsschule, Volontariaten und Kursen erweiterte er sein Wissen und stieg richtig in die Firma ein. Anfang der 70er Jahre wurde eine Sandgrube in Norderstedt gekauft, von wo die Familie der Mutter stammt.

Neben der Tätigkeit als Spediteur und Kiesgrubenbetreiber beschäftigte er sich als einer der ersten Unternehmer mit Abfallentsorgung und hat den ersten Abfallkatalog in Schleswig-Holstein mit auf die Beine gestellt und die erste Sortieranlage im Kreis Segeberg gebaut.

Eine Zeit lang war er politisch aktiv in der CDU Norderstedt, anschließend für 22 Jahre Kirchenvorsteher der Alt-Rahlstedter Kirche. Weiterhin engagierte er sich im Rahlstedter Bürgerverein und wurde der erste Schatzmeister im Rahlstedter Kulturverein. Als Mitglied der Interessengemeinschaft Ortskern Rahlstedt (IGOR) ist er aktuell am Arbeitskreis Schweriner Straße beteiligt. Auch veranstaltet seine Firma seit Jahren ein Hoffest mit Oktoberfestcharakter für geladene Gäste, dessen Erlös an den Rahlstedter Verein für Kinder und Jugendliche e. V. gespendet wird.

Der verheiratete Vater einer Tochter mit zwei Enkelkindern (eine davon musikalisch talentiert am Gymnasium Rahlstedt) sagt nicht nein, wenn er gefragt wird, sich zu engagieren. „Wenn man es nicht probiert, weiß man nicht wie es ausgeht“, lächelt er, „und wenn ich Dinge nicht erfrage, weiß ich auch nicht wie sie funktionieren.“ (August 2014 / Foto: Ewert)

Ole Thorben Buschhüter

Ole Thorben Buschhüter

(RB) Das Konterfei des Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter kennen die meisten Bürger zumindest von Plakaten. Vielen ist der Name auch im Zusammenhang mit dem Thema S 4 bekannt, für das sich Buschhüter seit Jahren einsetzt. Nicht verwandt ist er allerdings mit dem CDU-Politiker Wolfgang Buschhüter, der ebenfalls in der Region wohnt und mit dem ihn viele irrtümlich in Verbindung bringen.

Die Neigung sich für die Allgemeinheit einzusetzen war bei ihm schon als Schüler ausgeprägt. So engagierte er sich als Schulsprecher am Gymnasium Oldenfelde, das er 1995 mit Abitur verließ. Er begann ein Jura-Studium, widmete sich aber immer mehr der Parteiarbeit bei der SPD, der er bereits mit 16 Jahren beigetreten ist. Mehr zufällig „rutschte“ Buschhüter 1994 in den Rahlstedter Verkehrsausschuss. Dies kam dem „Oldenfelder Jung“ thematisch mehr entgegen, der schon immer ein deutliches Interesse an öffentlichen Verkehrsmitteln zeigte.

Vor 16 Jahren schlossen sich Bürger und Kommunalpolitiker zur „S 4-Initiative“ zusammen, deren Hamburger Sprecher Buschhüter ist. Er ist überzeugt davon, dass eine bessere Verkehrsanbindung Rahlstedt voranbringen und aus der Abseitslage befreien wird. Besonders wichtig dabei sei seiner Meinung nach die häufigere Taktung auf separaten S-Bahn-Gleisen und die Überwindung des „Fernreisezug-Gefühls“.

Auch privat setzt Ole Thorben Buschhüter auf öffentliche Verkehrsmittel, besitzt kein Auto und sieht es als Herausforderung an, selbst abgelegene Ziele mit Bahn und Bus oder dem Fahrrad zu erreichen. Selbst im Urlaub – wie zuletzt in den USA – ist er mit dem Zug unterwegs und besichtigt Verkehrsprojekte, um von anderen Ländern zu lernen und Anregungen für die eigene Arbeit zu erhalten.

Inzwischen füllt die Politik den Großteil seines Lebens aus. Buschhüter kommt gerne mit den Bürgern ins Gespräch, begleitet Projekte und vermittelt zwischen Bürgern und Behörden. „Denn Ortskundige und Anwohner kennen sich meist besser aus und bringen daher viele Ideen ein“, findet er. Daher suche die Politik heute auch mehr den Dialog mit den Bürgern statt sie vor vollendete Tatsachen zu setzen.

Nach seinem persönlichen Wunsch-Ziel befragt, äußerte Ole Thorben Buschhüter spontan: „Ich freue mich schon besonders auf die Teilnahme an der Eröffnungsfahrt der S 4!“ (Mai 2016 / Foto: SPD)

Karel Maderyc

Karel Maderyc

(RB) Den Rahlstedtern ist er bekannt als „Karel“ – jedoch stellt der 1941 in der Tschechoslowakei (Mähren) geborene Künstler hier seit einigen Jahren keine Bilder mehr aus, sondern widmet sich seit 2004 dem Kunstunterricht und der Talentförderung von Kindern.

Auf Rat seines Großvaters studierte der künstlerisch begabte Karel Eduard Maderyc nach dem Abitur jedoch nicht Kunst, sondern Elektrik/Elektronik und Starkstromtechnik. In seiner Heimat politisch aktiv musste er 1969 mit seiner Frau und dem 2-jährigen Sohn Marcel nach Wien flüchten, wo die Familie unter unvorstellbaren Zuständen in einem Flüchtlingslager mit 68 Personen in einem Zimmer leben musste. Durch seine Qualifikation und gute Arbeit fiel er auf, was der Familie im selben Jahr die Türen nach Deutschland öffnete, wo Karel sich qualifizierte und als Elektroingenieur bei Konzernen in Düsseldorf, Mannheim und zuletzt bei der HEW in Hamburg tätig war und 1979 eingebürgert wurde. 1976 wurde Tochter Jasmin geboren.

Der Kunst widmete sich Karel wieder verstärkt ab 1988, als er bei Katharina Duwe (Fachrichtung Porträt) Privatunterricht nahm. Als Autodidakt studierte er die Techniken zahlreicher Künstler, etwa Caspar David Friedrich und Albrecht Dürer. Aufgrund einer Harz-Allergie kann Karel keine Ölbilder malen und experimentierte u. a. mit Aquarellstiften und Acrylfarben. Er entwickelte einen speziellen Mal-Stil, die „Karel-Technik“. Neben vielen Porträts, darunter auch viele Rahlstedter und berühmte Persönlichkeiten, schuf er realistisch-surrealistische Werke, Tier- und Naturstudien sowie Landschaftsbilder vom Höltigbaum. Über dieses Naturschutzgebiet hat er ein Buch geschrieben – eine lyrische Betrachtung in Wort und Bild.

Seit 1973 wohnt Karel in Rahlstedt, aktuell im Hohenkamp mit einer uralten Magnolie vor der Haustür. Hier hat er seine Galerie und Malstudio eingerichtet, backt und kocht gerne und genießt guten Wein. Seine Verbundenheit mit der neuen Heimat hat er als Dank in einem Buch über seine geliebte Alt-Rahlstedter Kirche ausgedrückt, deren Geschichte er kritisch beleuchtet und Beispiele in der Kunst aufführt. Damit stieß er leider teilweise auf Kritik. Doch Karel ist schon immer ehrgeizig seinen eigenen Weg gegangen, hat schon immer von allem ein bisschen mehr gewollt – in positivem Sinne: Er legte stets Wert auf hochwertige Dinge, hat sich nicht mit dem Gewöhnlichen zufrieden gegeben. So hat er sich immer für einen adäquaten Ausstellungsraum in einem Kulturhaus in Rahlstedt eingesetzt.

In gewissen Räumen darf Karel nicht ausstellen, weil er kein studierter Künstler ist, sondern Autodidakt. Nächstes Jahr, wenn der temperamentvolle Künstler mit dem ansteckenden Lachen 75 Jahre alt wird, werden die Rahlstedter aber vielleicht wieder eine Ausstellung von seinen Bildern erleben können. Zudem soll in den kommenden Jahren eine Zeichenschule als Buch von ihm erscheinen. Denn: „In meinen Bildern lebe ich für immer“, meint Karel und lacht herzlich.  (Mai 2015 / Foto: Selbstporträt von Karel Maderyc)